Jugendliche des HoT entwickeln „Spiel des wahren Lebens“

Projekt Josefstag unter dem Motto „Leben 4.0 – Jugend braucht Perspektive“

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher M Sinzig. Sich in die Lebenswirklichkeit von jungen Erwachsenen hineinzuversetzen und die Art anzusehen, wie sie das Leben anpacken, das konnten die Besucher des Sinziger Hauses der offenen Tür (HoT) am Josefstag. Das Jugendzentrum hatte den Feiertag unter das Motto „Leben 4.0 – Jugend braucht Perspektive“ gestellt. Im Vorfeld der Ausführungen von Gastredner Guido Mombauer zum Thema Digitalisierung stellten sechs Jugendliche im Alter von 19 bis 25 Jahren die Ergebnisse ihrer wöchentlichen Treffen mit der Künstlerin Stefanie Manhillen im Rahmen des Projekts „Smarts up“ vor. Bei dem von der Bundesregierung und der EU geförderten Projekt können junge Leute ihre Potenziale entdecken und fördern. „Viele stecken uns in die Schublade asoziale Jugendliche – das erschwert es uns ungemein, eine Ausbildung, einen Job oder eine Wohnung zu finden“, sagte Laura Steffen. Die junge Frau hat mit Aylin Schneider, Skena Racipovic, Edison Hajdani, Kenny Gröger und Yessica Dahm in der Gruppe „Kunstbanausen“ viel aus dieser gemeinsamen Zeit gewonnen. Zwar haben sie nicht das sich selbst gesteckte Ziel erreicht, 30 Bilder in drei Tagen anzufertigen, dafür aber dennoch einige sehenswerte Ergebnisse zustande gebracht. „Die Ausstellung soll noch wachsen“, sagte HoT-Leiterin Petra Klein.

„Einmal hineinhören bitte“ hieß es bei der Station, bei der die Gäste sich die Persönlichkeiten der jungen Leute einem Lampenschirm gleich überstülpen und deren Musik hören konnten. Edison Hajdani hatte sogar selbst einen Song hierfür geschrieben.

Ziele stecken und auch Rückschläge dabei verkraften – darum ging es bei dem von den Jugendlichen entwickelten „Spiel des wahren Lebens“. Das Leben verteilt gute und schlechte Karten. So gingen die Teilnehmer auch schon mal den einen oder anderen Umweg bei ihren Vorhaben. Diese reichten von „Gewicht halten“, „Bürgermeister von Sinzig werden“ oder „in Ruhe leben“ über „gesund und glücklich alt werden“ bis zu „finanzielle Sicherheit und Fachhochschulreife“. Stolpersteine waren etwa Erfahrungen wie der Tod eines Familienmitglieds, „Auto kaputt“ oder „Streit mit dem besten Freund“.

„Ich denke, eines der größten Probleme von jungen Leuten ist dieser ständige Leistungsdruck, der immer stärker wird, und die freie Zeiteinteilung für sich selbst immer geringer“, so Jugendpfarrer Martin Laskewics aus Koblenz. Dazu komme die Bandbreite von schwierigen Familiensituationen. Er findet es gut, wichtig und normal, dass Jugendliche schwierig sind. „Die Gesellschaft käme nicht weiter, wenn junge Menschen sich nicht ausprobieren“, so der Pfarrer.

Die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung stellt die Menschen vor riesige Herausforderungen, wie Referent Guido Mombauer vor Augen führte. „Wir werden neben den Grundlernarten Lesen, Schreiben und Rechnen zwingend digitale Kompetenzen auf dem Lehrplan haben“, sagte der Finanzfachmann. Die Welt würde von den „Gafas“ regiert, womit Google, Amazon, Facebook und Apple gemeint sind. Für diese sei allein aus dem Verhalten des Einzelnen im Netz ersichtlich, wie dessen Vermögensverhältnisse aussehen. Für ihn liegt auf der Hand: Die Zukunft liegt im Internet.

„Programmieren wird als Kulturtechnik immer mehr Raum auch im Berufsleben einnehmen, der Mechatroniker blickt keinen rosigen Zeiten entgegen, der wird durch vollautomatische Prozesse und 3-D-Drucker ersetzt“, sagte HoT-Leiterin Petra Klein, die die Gäste auf eine Zeitreise ins Jahr 2040 mitnahm. Fitter für die Zukunft fühlen sich die Projektteilnehmer. „Wir sind als Gruppe viel enger zusammengewachsen“, so Laura Steffen

Quelle: Rhein-Zeitung Ausgabe Ahrweiler 23.03.2018 Judith Schumacher