Thema beim Neujahrsempfang im Haus der offenen Tür (HoT)

SINZIG. DG. Rappelvoll war es am vergangenen Samstag um die Mittagszeit im Haus der offenen Tür, kurz HoT genannt, beim diesjährigen Neujahrsempfang. Der versteht sich dabei als ein Dankeschön an alle Unterstützer, Helfer und Freunde. Das HoT ist eine Einrichtung der offenen Jugendarbeit, Betriebsträger ist die katholische Kirchengemeinde Sinzig. Ein besonderer Dank galt daher dem Mitarbeiterteam und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die „nicht Dienst nach Vorschrift, sondern Dienst am Menschen machen“, wie Dechant Achim Thieser in seiner Begrüßung betonte. Sein Dank galt auch der Stadt, dem Kreis sowie dem Land, ohne deren finanzielle Hilfe die Einrichtung gar nicht arbeiten könne. Zum Kreis der Gäste gehörten neben einigen Ratsmitgliedern unter anderen auch Bürgermeister Andreas Geron, Ortsvorsteher Gunter Windheuser und MdL Guido Ernst. Die Leiterin des HoT, Petra Klein, stellte kurz ihr Team vor und richtete noch einen besonderen Dank an die Helfer der Sinziger Tafel.
Die Neujahrsansprache zum Thema Europa hielt Hans Günther Merk, ehemaliger Präsident des Statistischen Bundesamtes. Merk, Jahrgang 1930, hatte als junger Mensch den Krieg noch aus eigener bitterer Erfahrung miterleben müssen. Und auch die Zeit danach war geprägt von Hunger und Entbehrungen. Anfang der 50er Jahre gesellte sich die Angst vor einer Einnahme durch die damalige UdSSR dazu. Deutschlands Souveränität 1955, der Aufbau der Bundeswehr und der Eintritt in die NATO stabilisierten sicher die Lage hier, allerdings verhärteten sich die Fronten zwischen Ost und West weiter. Er erinnerte an den „Marshall-Plan“ und an die Luftbrücke der Alliierten nach Berlin, im Volksmund liebevoll „Rosinenbomber“ genannt. Im Weiteren skizzierte er die einzelnen Schritte der europäischen Einigungsbewegung, beginnend mit der Montan-Union (1952), die Römischen Verträge 1957 führten dann zur EWG, später nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zur EG und zur EU, der zurzeit 28 Staaten angehören. Eine grundweg positive Entwicklung, jedoch auch mit einigen „Webfehlern“ behaftet. Nicht ganz zu Ende durchdacht sicher das Problem der Sicherung der Außengrenzen. Neben dem Brexit, der sowohl für die Briten als auch die EU ungeahnte negative Folgen haben wird, werden auch in anderen Staaten Stimmen für einen Austritt laut, zum Beispiel Polen und Ungarn. Die Menschen würden nicht genügend angesprochen, für die europäische Idee begeistert. Außerdem gebe es durch die Regelungswut zu viel Bürokratie. Die Finanzkrise des Euro und das Flüchtlingsproblem drohen die Gemeinschaft zu zerreißen. Man müsse jeden Tag für die EU eintreten, so seine Schlussfolgerung.
Emine Erdem und Sandra Lenz, zwei junge Mädels, warben in ihrer „Liebesgeschichte“ für die EU. „Viele sehen ausschließlich deine (EU) Misserfolge. Erst, wenn du tot bist, wird man vielleicht verstehen, was du geleistet hast. Wir glauben an dich.“ Ein Wunsch von ganz jungen Menschen, der hoffentlich nicht vergeblich ist. Bürgermeister Andreas Geron erinnerte an die bevorstehenden Wahlen. „Wählen ist wichtig, damit der Populismus an keiner Stelle in der Gesellschaft gewinnt“, so sein eindringlicher Appell. Bei musikalischer Untermalung von Paul Hilger, einem ehemaligen FSJ´ler im HoT, war in lockerer Atmosphäre nun Zeit genug für Gespräche untereinander.

Artikel veröffentlicht am 28.01.2019 von Sinziger Stadtnachrichten, Melanie Walkenbach 5 / 2019